Das Bühnenstück wurde als "tragische Posse" am 2. Oktober 1948 an der Scala in Wien uraufgeführt. Es feierte über den deutschen Sprachraum hinaus große Erfolge. Auch in Peking und Shanghai wurde das Stück aufgeführt.

Erstmals verfilmt wurde das Theaterstück als Fernsehspiel des österreichischen Rundfunks, die Erstausstrahlung erfolgte am 26. Jänner 1963. Die Titelrolle spielte Fritz Muliar.

Berühmt wurde das Stück dann in der gleichnamigen Filmreihe Der Bockerer von Franz Antel. Es handelt als Fortsetzung des originalen Schauspiels von der Geschichte Österreichs. Hauptdarsteller ist der österreichische Schauspieler Karl Merkatz. Der erste Teil der Film-Reihe basiert auf dem Theaterstück von Becher und Preses, einzelne Szenen wurden von H. C. Artmann ergänzt. Die weiteren Verfilmungen haben mit dem ursprünglichen Theaterstück nichts mehr zu tun. Das Bühnenstück "Der Bockerer" wurde in der Filmversion von Franz Antel für die Oscar-Nominierung vorgeschlagen.

Ulrich BecherDer aufstrebende Schriftsteller Ulrich Becher (geb. 02.01.1910 in Berlin) wird durch die Machteinsetzung Hitlers am 30. Januar 1933 zu einem „Niemand“ – so heißt auch sein Stück, dessen Uraufführung in Berlin verboten wird. Er flieht aus Deutschland und durchstreift unstet das noch freie Europa. Das Exil macht ihn abhängig von den Zuwendungen des vermögenden Vaters. Erst nach und nach begreifen Eltern und Sohn die Situation - dass es nun ums nackte Überleben geht, nicht um eine literarische Karriere. Letztlich bleibt Becher und seiner Frau Dana, Tochter von Alexander Roda Roda, nur die Flucht nach Brasilien. 1944 gelingt die Weiteremigration nach New York. Hier schreibt er mit dem Wiener Schauspieler Peter Preses die tragische Posse „Der Bockerer“. 1948 kehrte Becher zur Uraufführung des „Bockerer“ nach Wien zurück. Er lebte in Österreich, Deutschland und der Schweiz, seit 1954 überwiegend in Basel. Dort verstarb Ulrich Becher am 15. April 1990.

Peter PresesPeter Preses, geb 29.10.1907, war ein in Wien hochgeschätzter Schauspieler. Leider findet man heute kaum mehr Informationen über sein Leben. Sicher ist jedoch, dass sich Preses seit 1934 durch Satire und Kabarett aktiv am Widerstand gegen das Nazidenken engagierte. 1938 emigrierte er nach England. 1939 trat er dort im neu gegründeten Exilkabarett „Laterndl“ auf. Ziel war der Kampf für ein unabhängiges, freies Österreich. Dort entsteht 1942 die Gestalt des „Herrn Neidinger“, eine Personifizierung des „Wiener Volkscharakters“, die sich listig-schlau-dümmlich durch die Fallstricke der NS-Herrschaft schlägt. Die Figur des Neidinger soll bereits in Einzelheiten Züge des von Ulrich Becher und Peter Preses gestalteten „Bockerer“ vorweg genommen haben. Er spielte noch bis 1943 beim „Laterndl“ und ging dann nach New York, wo er mit Ulrich Becher zusammentraf. 1946 aus der Emigration zurück, wirkte er anderthalb Jahrzehnte am Theater in der Josefsstadt in Wien. Er starb am 10.07.1961 und erhielt ein Ehrengrab auf dem Neustifter Friedhof.

Inhalt

Karl Bockerer ist niemand besonderes. Er betreibt in Wien eine Fleischerei, ist dem Alkohol nicht abgeneigt und spielt gern Karten. Geboren ist er im gleichen Jahr, sogar am gleichen Tag, wie ein bestimmter Politiker aus Braunau, was ihn aber herzlich wenig kümmert.

Fleischhauer Karl Bockerer schert sich wenig um Politik. In seiner Jugend gabs den Kaiser, dann kam die Republik, der Ständestaat...und den Braunen aus Braunau wird man auch überleben, so sein Credo. Aber nach dem Anschluss an Deutschland beginnt es ungemütlichzu werden und er muss feststellen, dass der Nationalsozialismus seine beschauliche Welt gehörig ins Wanken bringt und seine giftige Saat mitten in seine Familie trägt. Der Sohn wird Mitglied der SA, die Gattin gefällt sich als glühende Hitlerverehrerin. Spätestens als sein jüdischer Freund und Tarockpartner Dr. Rosenblatt angesichts der wachsenden Repressalien nach Amerika emigriert, beginnt er auf seine Art zu handeln: mit einer Mischung aus Naivität, Humor und Schwejkscher Bauernschläue wehrt er sich.

Er kämpft nicht mit der Waffe in der Hand, aber die Aufrichtigkeit seiner antifaschistischen Äußerungen kommt gefährlichen Bomben nahe. Auf den zuständigen Ämtern hält man den Bockerer für einen Trottel, so kann er trotz der vielen Anzeigen und Beschwerden gegen ihn immer wieder der Justiz entgehen.

Durch den Tod seines einzigen Sohnes an der Front, verliert auch Frau Bockerer ihren Glauben an das Regime. Als der Krieg endlich vorbei ist, ziehen die Siegermächte in Wien ein. Unter den amerikanischen Besetzungssoldaten ist auch der emigrierte Freund Rosenblatt. Er kommt wie vor Jahren zur gewohnten Zeit zum Tarock. Herr Bockerer hat zumindest äußerlich seine alte Welt erhalten.

Trotz allen Widrigkeiten und Wirrungen der Zeit behält der Bockerer seinen Verstand, seinen Humor und seine Schlagfertigkeit - und leistet damit passiven Widerstand gegen das „Tausendjährige Reich“.

Kritiken

"Karl Bockerer, das ist wahr, ist keiner, der den großen politischen 'Durchblick' hat, er ist kein Überzeugungstäter, kein Widerstandskämpfer, kein Antifaschist. Dennoch: Bockerers Querschädligkeit, seine Schlitzohrigkeit haben Charakter, haben politische Kraft. Ein tiefes Misstrauen gegen die großen Phrasendrescher, Hochstapler der Geschichte ist ihm eingewurzelt. Karl Bockerer ist der Antityp des Mitläufers und damit als solcher aller Ehren und aller fortdauernden Aufmerksamkeit wert." (Theater heute)

"Bockerer hat Herz und Mundwerk am rechten Fleck. Er schert sich einen Dreck um die Meinung der Leute und zeigt, wie unheldisch und im Kleinen Widerstand beginnt. Er ist ein lebenserfahrener, eindringlicher und unbequemer Mahner zur Wachsamkeit." (Frankfurter Rundschau)

"Der Bockerer ist ein saftiges Volksstück mit pointierten Dialogen und glänzend gezeichneten Typen." (SZ, 28.5.1984)

Aufführungstermine

Fr.06. Juli   Der Bockerer 20:00 Uhr 
Sa.07. Juli   Der Bockerer 20:00 Uhr 
Do.12. Juli   Der Bockerer 20:00 Uhr 
Fr.13. Juli   Der Bockerer 20:00 Uhr 
Sa.14. Juli   Der Bockerer 20:00 Uhr 
Do.19. Juli   Der Bockerer 20:00 Uhr 
Fr.20. Juli   Der Bockerer 20:00 Uhr 
Sa.21. Juli   Der Bockerer 20:00 Uhr 
Do.26. Juli   Der Bockerer 20:00 Uhr 
Fr.27. Juli   Der Bockerer 20:00 Uhr 
Sa.28. Juli   Der Bockerer 20:00 Uhr 
Fr.03. Aug.   Der Bockerer 20:00 Uhr  
Sa.04. Aug.   Der Bockerer 20:00 Uhr 

Alle Veranstaltungen sind als Freiluftveranstaltungen am Kirchenplatz Braunau angelegt und finden bei Schlechtwetter im Kulturhaus GUGG in Braunau statt!

 

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