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"Ein Sommernachtstraum" Juli/August 2004 - Garten-Schloss Ranshofen

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Das Stück:
Die Komödie "Ein Sommernachtstraum" (Originaltitel: "A Midsummer Night`s Dream") wurde 1595/1596 von William Shakespeare geschrieben und wurde vor 1600 uraufgeführt. Es ist eines der meistgespielten Stücke William Shakespeares. Sein dauerhafter Erfolg, seine ungebrochene Anziehungskraft seit Jahrhunderten liegen in der wahrhaft unsterblichen Thematik "Liebe, Triebe und ihre Wirrungen" begründet. Das Stück wird sehr oft auch als Ballett aufgeführt und es lieferte die Vorlage für verschiedene Opern, so "The Fairy Queen" von Henry Purcell oder "A Midsummer Night`s Dream" von Benjamin Britten. Sehr bekannt wurde auch die Schauspielmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy.
Die Komödie spielt in Athen und im Wald vor der Stadt. Zeit der Handlung ist vor, in und nach einer Maiennacht "in alter Zeit". Der englische Titel bezieht sich nach Erich Fried nicht auf die Jahreszeit, sondern auf den Glauben, dass man in der St. Johannes-Nacht wirre Träume hat.

Deutungen der Komödie und Thematik:
Wenn man den Sommernachtstraum zum ersten Mal liest, könnte man eine schöne, lustige und zeitweise sexy Liebeskomödie sehen, die in einer magischen Umgebung spielt. Die Szenen im Zauberwald muten fast wie ein Märchen an. Doch die Wirrungen der Liebe und der magische Zauber der Elfen entpuppen sich doch als mehr. Zwei Interpretationen sollen uns zeigen, was man in dieser Geschichte auch sehen kann.

So erkennt ALAN POSENER fast eine Vorwegnahme Freuds in der Komödie:
"Der Sommernachtstraum etwa kann als harmloser Ausflug in eine >traumhafte< Phantasiewelt der Feen und Gnome gespielt werden - der Stoff, aus dem die Schulaufführungen sind. Das Stück ist aber dunkler, unheimlicher. Die zwei Liebespaare, die sich im Wald bei Athen verirren, erleben eine beängstigende Verwirrung der Gefühle; ihr zivilisiertes Ich scheint abgestreift - wiederholt, abrupt wechseln sie die Partner, schlägt Begehren in Abscheu um und umgekehrt. Der Zauberwald, indem Pucks Liebesdroge die Libido enthemmt, kann als Metapher für einen Traumzustand gelten, in dem die polymorphen Triebregungen des Es, von der strengen Kontrolle des waren Ich befreit, uns Lust und Schrecken bereiten. Kein Wunder, dass der Handwerker Zettel […] nach dem Erwachen keine rechten Worte für sein nächtliches Erlebnis findet".
Alan Posener: William Shakespeare
Rowohlt 1995, 2001. S. 40f

Für ROBERT TH. FALLON hebt Shakespeares Komödie den Abstand auf, der zwischen Wirklichen und Unwirklichen liegt:
"Die Grenzen zwischen dem Wirklichen und Unwirklichen, dem tatsächlich Stattfindenden und dem, was sich in der Vorstellung abspielt, dem Leben selbst und dem Leben, das sich als künstliches auf der Bühne zuträgt, sind im menschlichen Bewusstsein unscharf und nicht klar gezogen, und jedes voll gelebte Leben driftet mit Leichtigkeit über eine solche Trennlinie hinweg, vor wie zurück."
Robert Th. Fallon: A Theatergoer`s Guid to
Shakespeare. Chicago: Ivan R. Dee, 2001. S. 261

Shakespeares "Sommernachtstraum" im Konventgarten:
Für uns stellt sich Shakespeares "Sommernachtstraum" als ein komödiantisches Highlight voller Erotik und Sinnenfreude, Phantasie und Wahn in all ihrer Komplexität, ein Verwirrspiel um Liebesdinge und Eifersüchteleien, Suche nach den Bedingungen einer idealen Liebe, nach den Grenzen, nach der Legitimation von Gefühl und Vernunft dar!
Nach PETER ZADEK erscheint Theater in der konkreten Auseinandersetzung mit Shakespeare als die augenfälligste Möglichkeit, offizielle und inoffizielle Funktionen des Theaters mit Aspekten der Kreativität, des Spiels und des Vergnügens - für Zuschauer und Akteure, aktiv und passiv - zu verbinden.
Dies ist auch der Ansatz für unsere Inszenierung, ein gehobenes Erlebnis für die Sinne zu veranstalten. Das Stück "Ein Sommernachtstraum" ist dabei Programm und Thema zugleich.
Dies bedeutet aber nicht, einen dramaturgischen Gott vom Sockel zu holen oder sich an ihm zu vergreifen, sondern im eigentlichen Sinn des Wortes "Theater" zu machen.
Shakespeares „Sommernachtstraum“ im Schloss Ranshofen ist ein Versuche - in einer modern und zeitlos angelegten Inszenierung, mit Live Musik und Bildersprache - sich den scheinbaren Widersprüchen zwischen Phantasie und Realität anzunähern, Grenzen zu sprengen und die im Stück keineswegs nur komischen Varianten zum Thema Liebe spielerisch auf ihre Modernität und Gültigkeit zu überprüfen. Shakespeare animiert uns über den Tellerrand zu blicken, Möglichkeiten auszuloten und sich den eigenen Ängsten, Hoffnungen, Phantasien und Träumen auszusetzen.


Handlung:
Hochzeit soll gefeiert werden am Hofe von Herzog Theseus. Er möchte die Liebe planen und in geordnete Bahnen lenken. Doch die Dinge entwickeln sich nicht so, wie er es gerne hätte. Da wäre Hippolyta, seine Auserwählte, die sich aber streubt ihn zu ehelichen. Und da wären die jungen Liebenden, Hermia, Lysander, Demetrius und Helena. Hermia liebt Lysander und Lysander liebt Hermia, sie dürfen aber nicht heiraten, da Hermia bereits Demetrius versprochen ist. Und Helena wiederum ist in Demetrius verliebt. Die Jugend ist getrieben von Eifersucht und Liebessehnen, dem Diktat der Vernunft und Macht will man sich nicht beugen. Die Liebenden fliehen, die Eifersüchtigen jagen hinterher. Doch was zunächst wie eine hochdramatische Version des ewig alten Themas scheint, wird im Wald zu einer aberwitzigen, tolldreisten Probe auf die Liebe - und von der bleibt nicht mehr viel übrig, wenn Puck - Waldgeist und Diener des Feenkönig Oberon- seine Liebesdroge verteilt. Da werden Handwerker, Jungverliebte und selbst Oberons angetraute, die Feenkönigin Titania, in kunterbunte, krause Verschlingungen gebracht und unbekümmert miteinander aufgemischt. Die grelle Komik der Situation, betörende Verwirrungen der Gefühle und knallharte Dissonanzen lassen keinen Platz mehr für Sentimentalität oder rührende Romantik. Im Wald regiert die "midsummer madness" und bringt den Glauben an eine irgendwie verstehbare oder geordnete Realität gehörig ins Wanken. Die Kraft der Natur und Magie, unterdrückte Energien und Instinkte entladen sich in einer karnevalesken Welt und befreien somit von sozialen Zwängen und Schranken; eine zugleich unheimlich-bedrohliche wie aufregend-anziehende Situation.

Live Musik: David Schmitzberger, Stefan Fellner, Natascha Offenhuber
Bühne: Josef Ortner, Katharina Forster, Simon Forster, Robert Ortner
Kostüme: Sandra Schwarzenbacher
Maske: Genoveva Simböck, Margit Bode
Tontechnik: Benedikt Greimler
Licht: Sandra Schwarzenbacher

Darsteller:
Theseus: Robert Penetzdorfer .................................................................................................. Hippolyta: Andrea Zehentner
Oberon: Georg Oberweger
Titania: Renate Soder
Hermia: Sara Schmitzberger
Helena: Michaela Skrabl
Lysander: Klaus Handlechner
Demetrius: Klaus Buchholz
Egeus: Hermann Skrabl
Philostrat: David Schmitzberger
Puck: Verena Feichtenschlager
Peter Squenz: Hans Dzugan
Zettel: Robert Ortner
Flaut: Julian Dzugan
Schnock: Peter Fasching
Schnauz: Rudolf Mühlbauer
Senfsamen: Katharina Forster
Spinnweb: Andrea Friedl
Erbsenblüte: Maria Ortner
Motte: Judith Forster
Wechselbalg: Tobias Schmitzberger

Konzeption/Regie: Robert Ortner

Dauer: ca. 2x 60 min. mit Pause

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