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STÜCKE/Archiv
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"Gretchen
89ff "
Juli/August 2006 - Konventgarten
Schloss Ranshofen
 
Komödie, frei nach Lutz Hübner - UA 1997
Über das Stück:
.."Warum ein
Stück so wird, wie sie es erleben und häufig
auch erleiden müssen, liegt an der seligen
oder unseligen Kombination von Regie und Schauspiel,
zwei von alters her natürlichen Angstgegnern.
Der Vorgang erinnert ein wenig an den göttlichen
Schöpfungsakt: Der Intendant, ein gnostischer
Gott, der weder gut noch böse ist führt
die beiden zusammen, wirft einen Text in die Arena
und wartet hoffnungsfroh, was sich da entwickelt."
(Lutz Hübner)
Wie kann es denn werden,
wenn Schauspieler und Regisseur aufeinander treffen
und in sechs Wochen ein Stück herausbringen,
welche zwischenmenschlichen Probleme und Krisen
gilt es zu bewältigen, wie verständigen
sich zwei mehr oder minder von sich selbst eingenommene
"Künstler"?
Die
Kästchenszene aus Faust I; es spricht Gretchen,
S. 89 ff: "Es ist so schwül, so dumpfig
hie ...". Generationen von Bildungsbürgen
wurden damit konfrontiert. Doch nicht nur grüblerische
Deutsch-Studien, auch Hunderte von Gretchen auf
der Bühne durchlitten die Pein einer stimmigen
Deutung, von den Zuschauern, die solche Versuche
ansehen mussten, ganz zu schweigen. Viele dieser
Interpretationen, Auswüchse und Missgriffe
führt auf amüsante Weise Lutz Hübner
in seiner Komödie "Gretchen 89 ff"
vor. man könnte dies Komödie auch eine
"Farce" oder ein "Theaterkabarett"
nennen.
Eine
Komödie mit Biß, zum Kopfschütteln,
sich ausschütteln aber auch zum Nachdenken,
denn sobald zwei Menschen aufeinander treffen, entsteht
ein ganzes Universum gespickt mit Hoffnungen und
gutem Willen, aus dessen Umlaufbahn man nicht selten
mit dem folgendem Zitat von Maxim Gorki wieder austritt:
"Nach manchem
Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen,
einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzuwinken,
und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen."
Inhalt:.Lutz
Hübners Komödie ist ein geistreicher,
unterhaltsamer Blick hinter die Kulissen und Geheimnisse
des Theater- und Schauspielbetriebs. Gretchen, die
bekannteste Jungfer deutscher Theaterseligkeit im
klassischen Outfit mit Zöpfen und Nachthemd?
Oder etwa Gretchen, im SM Outfit mit Peitsche? Ist
sie naiv oder abgebrüht, intelligent oder debil,
hübsch oder hässlich, die süße
Maid? Auf alle diese Fragen weiß einer im
Theater immer eine Antwort: der Regisseur.
Ob der Regisseur sich durchsetzt, liegt nicht nur
am Verfallsdatum seines Charismas oder am Trash-Wert
seiner fixen Idee, sondern wesentlich auch an der
kriminellen Energie des Ensembles, der Fähigkeit
Fallen zu stellen und Intrigen zu spinnen und -
soweit es Gretchen angeht an der mehr oder
weniger ausgeprägten Widerständigkeit
der Darstellerin.
Nur eins ist klar: Regisseure haben eine Macke und
SchauspielerInnen eine Selbstdarstellungsneurose.
Oder umgekehrt. Gemeinsam leiden sie an der Welt
da draußen, und ziehen sich am liebsten in
ihren Schutzraum, das Theater zurück, um zu
proben, wie der Ernst des Lebens durch die Kunst
erträglich gemacht werden kann. Hinter den
Kulissen blühen die Klischees und die Künstler
pflegen ihre Marotten.
Sie denken nur an das eine. In diesem Falle an die
eine berühmte Passage aus Theaterdirektor Goethes
Faust, in dem Gretchen ein Schmuckkästchen
findet. In einer Reihe von kabarettistisch zugespitzten
Szenen treffen jene Witzfiguren der Bühnenscheinwelt
aufeinander, die unser anekdotisches Halbwissen
vom Theater geprägt haben. Und kein Klischee
ist so an den Haaren herbeigezogen, dass es nicht
von der Wirklichkeit hinter den Kulissen noch übertroffen
würde.
Der sexbesessene Psychologe, der Schmerzensmann,
der Streicher, die Dramaturgin Archetypen
eines ganz bestimmten Regiestils treffen auf Archetypen
weiblicher Bühnenkunst wie die Diva und die
Anfängerin. Alle proben sie die berühmte
Gretchen-Szene. Was dabei herauskommt, ist jedesmal
ein Zusammenprall der besonderen Art. In höchst
vergnüglichen, pointierten Dialogen wird hier
die schillernde Welt des Theaters persifliert und
vom Kopf auf den Bauch gedreht.
Mit
welcher Heftigkeit wirken sie gegeneinander! Und
nur die kleinlichste Eigenliebe, der beschränkteste
Eigennutz macht, daß sie sich miteinander
verbinden. Vom wechselseitigen Betragen ist gar
die Rede nicht; ein ewiges Misstrauen wird heimliche
Tücke und schändliche Reden unterhalten.
Jeder macht Anspruch auf die unbedingteste Achtung,
jeder ist empfindlich gegen den mindesten Tadel.
Das hat er selbst alles schon besser gewusst!
( Goethe über
Schauspieler )
Ein Stück mit Lachgarantie
für jung und alt!
Es spielen:
Daniela Blettenweger,
Klaus Buchholz, Benedikt Greimler, Sandra Hofmann,
Georg Oberweger, Robert Ortner, Sara Schmitzberger
und Michaela Skrabl
Bühne:
das Ensemble
Videotechnik:
Rudolf Mühlbauer
Lichttechnik:
Sandra Schwarzenbacher, Benedikt Greimler
Tontechnik:
Benedikt Greimler
Videoteam
- Mephisto: Benedikt Greimler, Rudolf
Mühlbauer, Sandra Schwarzenbacher
Video
- Abspann: Robert Ortner
Idee/Regie:
Robert Ortner
Der
Autor: Lutz Hübner, 1964 in Heilbronn
geboren, absolvierte nach dem Abitur und Zivildienst
eine Schauspielausbildung. Seit 1996 ist er freiberuflicher
Autor und Regisseur und lebt in Berlin. Von Lutz
Hübner sind u.a. folgende Theaterstücke
aufgeführt worden: "Tränen der Heimat"
(UA 1994), "Letzte Runde" (UA 1995), "Gretchen
89ff" (UA 1997), "Alles Gute" (UA
1998). Sein Stück "Das Herz eines Boxers"
wurde 1996 am Grips Theater in Berlin uraufgeführt
und seitdem vielfach nachgespielt. Seine neuen Stücke
"Herzmündig", "Der Maschinist"
und "Einfache Freuden" sowie die Oper
"Wallenberg" sind in den vergangenen Jahren
aufgeführt worden. Lutz Hübner war in
der Spielzeit 1999/2000der der meistgespielten Dramatiker
der Gegenwart auf deutschen Bühnen, in der
Anzahl der Aufführungen nur noch von Shakespeare
und Goethe übertroffen. Mit seinem Stück
"creeps" landete er in der Spielzeit 200/2001
einen ebenso großen Erfolg wie in den Jahren
zuvor mit "Das Herz eines Boxers" (Deutscher
Jugendtheaterpreis 1998). Die Aufführungsrechte
liegen beim Verlag Hartmann & Stauffacher, Köln.
Mehr zum Autor unter
wikipedia.org.
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