Robert Ortner
Michaela Skrabl

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"Gretchen 89ff " Juli/August 2006 - Konventgarten Schloss Ranshofen

Es ist so schwül ..... so dumpfig hi ... und eben doch so warm nicht drauß.... ich wollt die Mutter käm nach Haus.dieser Mann gab die Textvorlage

Komödie, frei nach Lutz Hübner - UA 1997

Regie: Robert Ortner

Über das Stück: .."Warum ein Stück so wird, wie sie es erleben und häufig auch erleiden müssen, liegt an der seligen oder unseligen Kombination von Regie und Schauspiel, zwei von alters her natürlichen Angstgegnern.
Der Vorgang erinnert ein wenig an den göttlichen Schöpfungsakt: Der Intendant, ein gnostischer Gott, der weder gut noch böse ist führt die beiden zusammen, wirft einen Text in die Arena und wartet hoffnungsfroh, was sich da entwickelt."

(Lutz Hübner)

Wie kann es denn werden, wenn Schauspieler und Regisseur aufeinander treffen und in sechs Wochen ein Stück herausbringen, welche zwischenmenschlichen Probleme und Krisen gilt es zu bewältigen, wie verständigen sich zwei mehr oder minder von sich selbst eingenommene "Künstler"?

Sara Schmitzberger als AnfängerinDie Kästchenszene aus Faust I; es spricht Gretchen, S. 89 ff: "Es ist so schwül, so dumpfig hie ...". Generationen von Bildungsbürgen wurden damit konfrontiert. Doch nicht nur grüblerische Deutsch-Studien, auch Hunderte von Gretchen auf der Bühne durchlitten die Pein einer stimmigen Deutung, von den Zuschauern, die solche Versuche ansehen mussten, ganz zu schweigen. Viele dieser Interpretationen, Auswüchse und Missgriffe führt auf amüsante Weise Lutz Hübner in seiner Komödie "Gretchen 89 ff" vor. man könnte dies Komödie auch eine "Farce" oder ein "Theaterkabarett" nennen.

Daniela Blettenweger als Domina-GretchenEine Komödie mit Biß, zum Kopfschütteln, sich ausschütteln aber auch zum Nachdenken, denn sobald zwei Menschen aufeinander treffen, entsteht ein ganzes Universum gespickt mit Hoffnungen und gutem Willen, aus dessen Umlaufbahn man nicht selten mit dem folgendem Zitat von Maxim Gorki wieder austritt: "Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzuwinken, und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen."

Inhalt:.Lutz Hübners Komödie ist ein geistreicher, unterhaltsamer Blick hinter die Kulissen und Geheimnisse des Theater- und Schauspielbetriebs. Gretchen, die bekannteste Jungfer deutscher Theaterseligkeit im klassischen Outfit mit Zöpfen und Nachthemd? Oder etwa Gretchen, im SM Outfit mit Peitsche? Ist sie naiv oder abgebrüht, intelligent oder debil, hübsch oder hässlich, die süße Maid? Auf alle diese Fragen weiß einer im Theater immer eine Antwort: der Regisseur.
Ob der Regisseur sich durchsetzt, liegt nicht nur am Verfallsdatum seines Charismas oder am Trash-Wert seiner fixen Idee, sondern wesentlich auch an der kriminellen Energie des Ensembles, der Fähigkeit Fallen zu stellen und Intrigen zu spinnen und - soweit es Gretchen angeht – an der mehr oder weniger ausgeprägten Widerständigkeit der Darstellerin.
Nur eins ist klar: Regisseure haben eine Macke und SchauspielerInnen eine Selbstdarstellungsneurose. Oder umgekehrt. Gemeinsam leiden sie an der Welt da draußen, und ziehen sich am liebsten in ihren Schutzraum, das Theater zurück, um zu proben, wie der Ernst des Lebens durch die Kunst erträglich gemacht werden kann. Hinter den Kulissen blühen die Klischees und die Künstler pflegen ihre Marotten.
Sie denken nur an das eine. In diesem Falle an die eine berühmte Passage aus Theaterdirektor Goethes „Faust“, in dem Gretchen ein Schmuckkästchen findet. In einer Reihe von kabarettistisch zugespitzten Szenen treffen jene Witzfiguren der Bühnenscheinwelt aufeinander, die unser anekdotisches Halbwissen vom Theater geprägt haben. Und kein Klischee ist so an den Haaren herbeigezogen, dass es nicht von der Wirklichkeit hinter den Kulissen noch übertroffen würde.
Der sexbesessene Psychologe, der Schmerzensmann, der Streicher, die Dramaturgin – Archetypen eines ganz bestimmten Regiestils treffen auf Archetypen weiblicher Bühnenkunst wie die Diva und die Anfängerin. Alle proben sie die berühmte Gretchen-Szene. Was dabei herauskommt, ist jedesmal ein Zusammenprall der besonderen Art. In höchst vergnüglichen, pointierten Dialogen wird hier die schillernde Welt des Theaters persifliert und vom Kopf auf den Bauch gedreht.

Robert Ortner als Mephisto „Mit welcher Heftigkeit wirken sie gegeneinander! Und nur die kleinlichste Eigenliebe, der beschränkteste Eigennutz macht, daß sie sich miteinander verbinden. Vom wechselseitigen Betragen ist gar die Rede nicht; ein ewiges Misstrauen wird heimliche Tücke und schändliche Reden unterhalten. Jeder macht Anspruch auf die unbedingteste Achtung, jeder ist empfindlich gegen den mindesten Tadel. Das hat er selbst alles schon besser gewusst!“ ( Goethe über Schauspieler )

Ein Stück mit Lachgarantie für jung und alt!

Es spielen: Daniela Blettenweger, Klaus Buchholz, Benedikt Greimler, Sandra Hofmann, Georg Oberweger, Robert Ortner, Sara Schmitzberger und Michaela Skrabl

Bühne: das Ensemble

Videotechnik: Rudolf Mühlbauer

Lichttechnik: Sandra Schwarzenbacher, Benedikt Greimler

Tontechnik: Benedikt Greimler

Videoteam - Mephisto: Benedikt Greimler, Rudolf Mühlbauer, Sandra Schwarzenbacher

Video - Abspann: Robert Ortner

Idee/Regie: Robert Ortner

Der Autor: Lutz Hübner, 1964 in Heilbronn geboren, absolvierte nach dem Abitur und Zivildienst eine Schauspielausbildung. Seit 1996 ist er freiberuflicher Autor und Regisseur und lebt in Berlin. Von Lutz Hübner sind u.a. folgende Theaterstücke aufgeführt worden: "Tränen der Heimat" (UA 1994), "Letzte Runde" (UA 1995), "Gretchen 89ff" (UA 1997), "Alles Gute" (UA 1998). Sein Stück "Das Herz eines Boxers" wurde 1996 am Grips Theater in Berlin uraufgeführt und seitdem vielfach nachgespielt. Seine neuen Stücke "Herzmündig", "Der Maschinist" und "Einfache Freuden" sowie die Oper "Wallenberg" sind in den vergangenen Jahren aufgeführt worden. Lutz Hübner war in der Spielzeit 1999/2000der der meistgespielten Dramatiker der Gegenwart auf deutschen Bühnen, in der Anzahl der Aufführungen nur noch von Shakespeare und Goethe übertroffen. Mit seinem Stück "creeps" landete er in der Spielzeit 200/2001 einen ebenso großen Erfolg wie in den Jahren zuvor mit "Das Herz eines Boxers" (Deutscher Jugendtheaterpreis 1998). Die Aufführungsrechte liegen beim Verlag Hartmann & Stauffacher, Köln. Mehr zum Autor unter wikipedia.org.

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