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"DER GOTT des GEMETZELS"

Schauspiel / Komödie von Yasmina Reza - UA 2006 Zürich

Bewaffnet mit einem Stock schlug Ferdinand Reilles auf dem Square de l'Aspirant Dunant Bruno Houllié mitten ins Gesicht. Eine geschwollene Lippe und zwei abgebrochene Schneidezähne sind die Folge.

So zumindest sehen es die Eltern des elfjährigen Opfers. Sie fordern ein Gespräch mit den Eltern des Täters. Doch schon bei der Formulierung der Stellungnahme treten die ersten Konflikte auf.

Die Handlung ist trivial: Weil der elfjährige Sohn der Reilles dem Sohn der Houillés zwei Zähne zerschlagen hat, treffen sich die Eltern in der schicken Wohnung der Opfer-Familie zur Aussprache. Designersofa, Kunstbände, zwei große Vasen Tulpen. Die Gastgeber Véronique (Gabriele Pointner) und Michel (Robert Ortner) benehmen sich anfangs äußerst zuvorkommend, man tauscht mit den Gästen Annette (Renate Soder) und Alain (Christian Prandl) höflich Belangloses aus.
Doch hinter der Fassade ziviler Umgangsformen verstecken sich zwei veritable Ehekrisen und vier eindimensionale Menschen. Die können gar nicht anders, als zwischen Small-Talk und überzogener Aggression zu schwanken.
Alle Rollen sind gut angelegt. Am expressivsten ist Véronique. Sie arbeitet halbtags in einer Kunstbuchhandlung, schreibt daneben emphatische Bücher über die reiche Kultur und das große Leid in Afrika. Sie ist also eine jener Frauen, denen man besser mit vorsichtigem Respekt begegnet. Denn wenn man wie die nervöse, damenhafte Vermögensberaterin Annette auf dem Höhepunkt des Schauspiels auf den längst vergriffenen Kokoschka-Band der Gastgeberin kotzt, wird diese zur Hyäne, zur Hysterikerin, zur Alptraumehefrau. Auch die erst so sensible Annette hat diesen Hang zum Barbarischen, als sie in einer rauschhaften Szene die Tulpen wie in einem Opferritual zerfleischt und über die Bühne zerstreut.
Die Männer, ja die Männer, wirken am Ende wie Männchen, da mögen sie noch so prahlen, dass sie mit elf bereits Führernaturen wie Ritter Ivanhoe waren. Michel ist ein Großhändler für Hausrat, der es allen recht machen will, aber unter dem Familienleben leidet. Er ist so brutal, dass er den Hamster der Tochter am Rinnstein aussetzt, und zu feige, das zitternde Tier in die Hand zu nehmen und zurückzuholen. Alain ist ein Winkeladvokat, der ständig das Mobiltelefon aus der Tasche fischt, um für eine kriminelle Pharmafirma zu tricksen. Sein Verhalten ist prototypisch für den Titel. Er zerhackt mit seiner Handy-Manie jeden zivilisierten Umgang, er opfert schamlos dem Gott des Gemetzels. Alle Figuren huldigen auf ihre Art dem Aggressionstrieb. Es bleibt dem moralischen Gefüge des Zusehers überlassen, zu entscheiden, was verwerflicher ist: Ein Mobiltelefon zu missbrauchen oder Hamster auszusetzen, auf Kokoschka zu kotzen oder mitleidig über Darfur zu schreiben. Bei Reza stehen alle Bürger unter dem Generalverdacht, dass sie eigentlich Kannibalen sind.

Yasmina Reza stammt aus einer weitverzweigten jüdischen Familie. Aufgewachsen ist sie in Paris als Tochter eines iranischen Ingenieurs und einer ungarischen Violonistin. Nach einer ersten Karriere als Schauspielerin gelang ihr 1994 mit "Kunst" ein aufsehenerregender Durchbruch als Dramatikerin - mittlerweile ist sie die weltweit meist gespielte Gegenwartsautorin. >>Wikipedia

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Inszenierung bauhoftheater braunau:

Regie: Robert Ortner

Es spielen: Robert Ortner, Gabriele Pointner, Christian Prandl, Renate Soder

Bühne: Das Ensemble

Premiere: Do. 29. Dezember 2011 - 20:00 Uhr

 

 

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